Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahre 1914 hatte die
Weltwirtschaft einen bemerkenswerten Internationalisierungsgrad
erreicht. Schätzungen über die Höhe der ausländischen
Direktinvestitionen im Vergleich zum Wert der Exporte im Jahr 1913
(Tab. 1, S. ) zeigen, daß am
Anfang des Jahrhunderts die FDI die Exporte von sechs der führenden
Kolonialmächte überstiegen, im Falle des Vereinigten Königreichs und der
USA um ein Vielfaches. Der Welthandel expandierte im Zeitraum von 1870
bis 1913, für den bereits statistische Daten vorlagen, im Mittel um
3,4%, dem in der Zeit von 1913 bis 1950 ein nur moderates Wachstum von
durchschnittlich weniger als einem Prozent gegenübersteht
(HIRST, THOMPSON, 1999, S. 22), siehe Kapitel
2.2. Ein im Vergleich zur heutigen Situation weit
offenerer Aspekt der Internationalisierug der Wirtschaft betrifft die
globalen Migrationsströme. Die frühesten verfügbaren Daten stammen aus
der Zeit der Restauration in Europa. Im Zeitraum vom Wiener Kongreß bis
zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs haben etwa 60 Millionen Menschen ihre
Heimat vorzugsweise in Richtung Nord- und Südamerika, Ozeanien und Süd-
bzw. Ostafrika verlassen (vgl. Abb. 1, S.
). Während diese Migration auf freiwilliger
Basis beruhte, war der Sklavenhandel zwischen Afrika und den beiden
Amerikas, der etwa 15 Millionen Menschen umfaßte, eine Form
,,unfreiwilliger`` Migration. Neben den Auswanderungsbewegungen in die
neue Welt gab es größere Auswanderungsströme von Rußland nach
Zentralasien und Sibirien sowie von China und Japan aus nach Süd- und
Südostasien, insbesondere Thailand und, im Falle Japans, in die beiden
amerikanischen Kontinente (HIRST, THOMPSON, 1999, S. 23).
Insbesondere mit der Migration vieler Europäer in die USA ging eine
Intensivierung der ökonomischen Beziehungen zwischen den USA und Europa
in Form von Kapital- und Güteraustausch einher, der den Grundstein für
die für die transatlantischen Wirtschaftsverflechtungen legte
(SASSEN, 1995, S. 112).
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Das Währungssystem am Beginn des 20. Jahrhunderts erwies sich trotz relativ freier Kapitalmobilität als ausgesprochen stabil. Die Währungen der führenden Industrie- und Handelsmächte wie auch zahlreicher anderer Länder mit Ausnahme einiger mittel- und südamerikanischer Staaten sowie Chinas fußten auf dem Goldstandard, die Währungen waren fest an den Goldpreis gebunden. Es gab zwar einige Währungskrisen, nach jeder Krise konnte aber das Austauschverhältnis zwischen der jeweiligen Währung und dem Goldpreis wiederhergestellt werden. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Die Regierungen waren willens und in der Lage, die ökonomischen, politischen und sozialen Ziele der Konvertibilität der jeweiligen Landeswährung in Gold unterzuordnen. Fehlende demokratische Prinzipien wie das Wahlrecht für alle machten es unmöglich, Regierungen aus dem Amt zu entfernen, die die Währungsstabilität als höchstrangiges Ziel ansahen. Potentielle Investoren konnten aufgrund der günstigen makroökonomischen Bedingungen ihr Kapital relativ frei und langfristig anlegen. Diese Kapitalströme fanden in einer Umgebung eines sich ausweitenden Handels und einer exportorientierten Entwicklung statt. Besonders das Vereinigte Königreich trug durch seine im Vorfeld des Ersten Weltkriegs stabile Wirtschaft zu einem wenig anfälligen Gesamtsystem bei (INTERNATIONAL MONETARY FUND, 2000, S. 163ff.).